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22. Juni 2022: Neues aus dem Rathaus - Juni

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Zu Beginn der Woche haben wir zwei Stolpersteine zu Ehren der beiden Holocaustüberlebenden Laya und Adolf Semler auf dem Bürgerstein an der Neustadtstraße 15 verlegt.

Für dieses Ereignis ist die Enkelin Joanna Kalowski mit ihrer Familie aus Sydney (Australien) angereist.

Laya Semler war jüdischen Glaubens, ihr Mann konvertierte ihr zuliebe ebenfalls zum Judentum. Da die Nationalsozialisten seinen geänderten Glauben nicht anerkannten, wäre es für ihn ein leichtes gewesen seine Frau ihrem Schicksal zu überlassen. Doch die Liebe zu seiner Frau war stärker. Er stellte zudem sich mehrfach der Gestapo in den Weg, indem er den Beamten seine Ehrungen aus dem Ersten Weltkrieg zeigte und diese frage, ob sie wirklich die Frau eines Helden mitnehmen wollten.

Im Februar 1945 wurde er allerdings zur Zwangsarbeit im Lager Wintjenberg (Landkreis Holzminden) gezwungen, seine Frau wurde ins KZ Theresienstadt deportiert. Beide überlebten getrennt voneinander die darauffolgenden Monate. Nach der Befreiung der Lager wartete Adolf Semler jeden Tag auf dem Wennigser Dorfplatz, in der Hoffnung, dort seine Frau zu treffen. Schließlich fanden sie wieder zueinander und wanderten 1947 nach Australien aus, wo sie bis zu ihrem Lebensende wohnten.

Es ehrt mich, dass ich Joanna und ihre Familie kennenlernen konnte und gemeinsam mit ihnen die ersten Stolpersteine in Wennigsen verlegen durfte. Auch haben wir eine gemeinsame Exkursion zu den Überresten des Lagers durchgeführt, indem Adolf Semler seine Zwangsarbeit verrichten musste. Diese gemeinsame Zeit hat mich beeindruckt und wird mir als eins der eindrucksvollsten Erlebnisse meines politischen Engagements in Erinnerung bleiben. Den Mut und die Entschlossenheit des Paares sowie den unbedingte Wille zu Überleben bewundere ich zutiefst.

Durch die Verlegung der Stolpersteine arbeiten wir in Wennigsen unsere Historie während der NS-Zeit weiter auf. Aufgrund des Beschlusses des Gemeinderates führen wir jährlich am 9. November (Novemberpogrom) sowie am 27. Januar (Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus) anlassbezogen Gedenkveranstaltungen durch. Dabei sollen in Zukunft auch die Parteien, Kirchen und engagierte Organisationen des Bündnisses für Solidarität Wennigsen miteinbezogen werden.

Liebe Wennigserinnen und Wennigser,

es bleibt weiterhin unsere Aufgabe diese vergangenen Ereignisse sichtbar zu machen und die Aufmerksamkeit für dieses Thema zu stärken. Lassen Sie uns diesen Weg gemeinsam gehen.

Alles Gute!

Ihr Bürgermeister Ingo Klokemann

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